Stolpersteine e.V.

Riedbachstraße 10

Maria

Michelberger

Maria Michelberger wurde 1922 in der Nähe von Bad Waldsee geboren und lebte in Memmingen. Von Geburt an war sie schwerhörig. Da ihre Schwerhörigkeit nicht behandelt wurde, entwickelte sie sich anders als andere Kinder – sie hatte Lernschwierigkeiten und brauchte besondere Unterstützung.

Aufgewachsen im Schutzengelheim

Ihre Eltern gaben Maria in das Schutzengelheim nach Lautrach, ein Kinderheim, das sich um Kinder mit besonderen Bedürfnissen kümmerte. Dort besuchte sie auch eine Schulklasse. Menschen, die sie in Lautrach kannten, beschrieben Maria als anpassungsfähig und geschickt – besonders bei Handarbeiten.

1934 lösten die Nationalsozialisten die Schulklasse des Heimes auf. Als das Heim selbst 1940 geschlossen wurde, kam Maria in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee.

In Kaufbeuren-Irsee

In der Anstalt Kaufbeuren wurde Maria in den Krankenakten ganz anders beschrieben als zuvor in Lautrach: als „stumpf“, „pflegebedürftig“ und schweigend. Diese Einschätzung sollte über ihr Leben entscheiden.

Was war die „Aktion T4″?

„Aktion T4″ ist die Tarnbezeichnung der Nazis für die zentral organisierte Ermordung von Patientinnen und Patienten der Heil- und Pflegeanstalten Deutschlands, einerseits aus rassistischen Gründen („Ausmerzung lebensunwerten Lebens“), andererseits um im Krieg Sanitätskapazitäten und Lebensmittel einzusparen.

Benannt ist sie nach dem Sitz der zuständigen Dienststelle in der Berliner Tiergartenstraße 4. Hitler persönlich gab mit Kriegsbeginn den Auftrag zu der „Aktion T 4″. Zwischen Anfang 1940 und August 1941 wurden ca. 70.000 Kranke in den Gaskammern der sechs zentralen Tötungsanstalten in Grafeneck, Brandenburg, Hartheim, Pirna, Bernburg und Hadamar umgebracht.

Die Heil- und Pflegeanstalten mussten einen Fragebogen zu allen ihren Patientinnen und Patienten ausfüllen — Angaben über Krankheit, Heilungschance, Arbeitsfähigkeit, Pflegebedürftigkeit und Häufigkeit von Besuchen — und diesen nach Berlin schicken.

Diese Fragebögen wurden dann an ausgewählte Psychiater verteilt, die anhand des Fragebogens entschieden, ob der betreffende Mensch getötet wurde oder nicht. Kranke aus Bayern wurden mit grauen Bussen aus den Anstalten abtransportiert und zunächst in Grafeneck auf der Schwäbischen Alb und später in Schloss Hartheim bei Linz ermordet.

Organisationsform und technische Ausführung der Aktion standen Modell für die „Endlösung der Judenfrage“. Nach Protesten von kirchlicher Seite, insbesondere durch den Münsteraner Bischof von Galen, ließ Adolf Hitler im Sommer 1941 die „Aktion T 4″ einstellen; jedoch wurde danach in den meisten Pflege- und Heilanstalten dezentral und mit anderen Methoden weiter gemordet.

Theodor

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